
Wildemanner Kuhglockenbügel
Zu den Harzer Kuhglocken gehören natürlich auch die Harzer Kuhglockenbügel.
Zur Herstellung möchte ich erst einmal Doktor Fritz Klocke zu Wort kommen lassen, der darüber sehr gut in seinem Heft
"Harzer und Thüringer Hirten" berichtet hat.
(Heimatmuseum Ballenstedt, 1963)
Die Anfertigung der Bügel
Die Herstellung der Schellenbögen gehörte ehedem zu den Obliegenheiten jedes guten Hirten. Sie erforderte Geschick, und soweit die Bögen verziert waren, auch ein gewisses Stilgefühl. Jeder Hirt hatte seine besondere Methode, seinen Kniff bei der Herstellung. Die entsprechenden Arbeiten wurden im Winter durchgeführt, wenn ruhigere Zeit war.
Der alte Hirt Heindorf in Trautenstein/Harz nahm dazu das elastische Eschenholz. Es werden zunächst rechteckige Bretter von 90 cm Kantenlänge und 10 cm Breite geschnitten und dann die Form des Bügels ausgehackt. Mit dem Zugmesser wird das Brett, das in die Schnitzelbank (Schnedebank) eingeklemmt ist, solange bearbeitet, bis der Bügel die gewünschte Stärke hat. Mit dem Schnitzmesser wird nachgebessert. Dann wird er vorsichtig zwischen den Knien gebogen, notfalls vorher über den Dampf des Futtertroges vorbereitet. Stellt sich heraus, dass an einer Stelle noch zuviel Holz ist, wird es mit dem „Schnitzer" entfernt. Mit Hilfe eines Riemens oder stärkeren Strickes spannt der Hirt den Bügel. Zuletzt werden an den beiden breiteren Enden, den Backen, die viereckigen Löcher, die zum Durchführen der Glockenriemen („Strippen " - Harz) dienen, ausgearbeitet. Die Breite der Bügel richtet sich nach der Größe der Glocken, beide müssen aufeinander abgestimmt sein. Die Bügel für die Kälber sind entsprechend schmaler. Früher wurden die Bügel an beiden Enden durch einfache Einschnitte am Rande und durch Blattornamente oder geometrische Muster auf der Fläche der Backen verziert. Aber dieser Brauch ist seit der Jahrhundertwende im Harz erloschen. Sie werden heute im Harz einfarbig, grün oder blau angestrichen. Die blaue Farbe ist im Walde am auffälligsten und erleichtert das Wiederfinden, falls ein Bügel verloren gegangen ist. Im Herbst, nach dem Eintritt der Kühe, werden die Bügel gescheuert und mit einem Knebel gespannt auf langen Stangen über Winter im Schuppen aufbewahrt. Erst im Frühjahr erhalten die Bügel, wenn nötig, ihren frischen Anstrich. Die Schellenbögen in Tanne waren früher geschnitzt und sind es z. Teil auch heute noch. Sie sind einfarbig blau angestrichen.
Der Thüringer Hutmann Pfeifer bearbeitet die Bügel, wenn sie auf der Schneidebank ihre Form und Stärke erhalten haben, anders als der Trautensteiner. Die Bügel, richtiger die Bügelbrettchen, werden im Waschkessel gekocht, damit das Holz weich wird. Dann werden die Brettchen um das Knie gebogen und in eine Holzklammer eingespannt. Zum Trocknen kommen die Bügel in die Küche auf eine Stange. Hier ist ja immer Feuer. Die Bügel bleiben so lange hängen, bis die Klammern von selbst abfallen. Nun beginnt das Schnitzen, das je nach der Menge der Motive bis einen Tag dauern kann. Verziert werden bzw. wurden die beiden Backen der Bügel durch Kerbschnitt. Sie erhalten dann einen grünen Anstrich als Untergrund, auf den die bunten Farben aufgetragen werden, manchmal fünf oder sechs verschiedene. Die alten Sinnbilder und Ornamente, wie sie noch auf fränkischen Schellenbögen zu beobachten sind, suchen wir in Thüringen wohl vergebens. Heute werden die Bügel zum großen Teil nicht mehr aus Holz hergestellt, sondern aus Blech. Das hat seinen Grund, weil die hölzernen in den Offenställen immer wieder zerschlagen werden.
Naturgemäß machen sich heute die meisten Hirten nicht mehr diese mühevolle Arbeit des Verzierens, sondern streichen auch in Thüringen die Bügel grün und die beiden Backen z. B. braunrot). Da das ganze Geläut alle zwei Jahre frisch angestrichen und bemalt wurde, kann man sich vorstellen, was für eine Arbeitsleistung dazu gehört, und dass nur Hirten mit großer Liebe zu ihrer Herde und zu ihrem Berufsstande sich dieser Mühe unterzogen; hatte doch beispielsweise der Thüringer Hutmann Pfeifer ein Geläut von über 250 Stück. Es war wohl das umfangreichste in Thüringen. Aber auch im Harz haben wir Herden mit über 250 Tieren (Trautenstein).
(Klocke)
Die Glockenbügel heute
Soweit also Klocke zu den Kuhglockenbügeln damals. Heutzutage sind Bügel aus Holz natürlich sehr gefragt, sowohl bei den Viehbesitzern als auch bei Leuten, die sich nur so eine Kuhglocke hinhängen möchten. Die Herstellung hat sich nicht sonderlich geändert, auch ich verwende Eschenholz und koche das Holz, damit es sich dann leichter biegen lässt. Die Bügel werden dann getrocknet und je nach Wunsch lackiert und verziert.
roher Glockenbügel nach dem Biegen
Im Oberharz hatte man überwiegend nur farbige Bügel
(z.B. in Wildemann blaue, in Altenau und Clausthal-Zellerfeld grüne)
ohne Verzierungen. Holzbügel statt Lederriemen waren hier im
Harz, speziell im Oberharz, angebrachter, weil ja die Kühe auch
in die "Waldweide" gingen, also im Wald weideten. Haben
sich die Tiere mal verfangen, so gingen die Holzbügel entzwei,
während sie sich mit den Lederriemen verfangen konnten.

Ein heutiger Kuhglockenbügel aus dem Siegerland,
hergestellt nach alter Vorlage
rohe Glockenbügel
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